Zeitungsartikel am Dienstag, 16. September 2003 in den Oberpfälzer Nachrichten
Salut für die einstigen Neustädter Herrscher
Starke Abordnung aus der Region beim Fest 250 Jahre Familie von Lobkowicz auf Schloss Melnik
Störnstein/Neustadt/WN/
Melnik.(hld) "250 Jahre Familie von Lobkowicz auf Schloss Melnik und 250 Jahre Lobkowiczer Weintradition sind nicht viel, wenn man die Geschichte der Welt und ihrer Zivilisation betrachtet", sagte Prinz Jiri (Georg) von Lobkowicz beim Jubiläumsfest in Melnik, an dem auch eine Delegation aus dem ehemaligen Bayerischen Herrschaftsgebiet teilnahm.


Prinz Jiri sagte weiter, dass die Geschichte weder Autobiographie noch undurchdachte Sammlungen von Handlungen, Vorfällen und Daten sei. Sie sei eine Komposition, Inszenierung, einheitliches Design, ein Werk der Bildhauer und Malerei, oder Ergebnis vor Augen, die Geschichte unserer Zivilisation".
Die Geschichte beginnt mit den Königinnen von Böhmen, der Heiligen Ludmila im 9. Jahrhundert. Aber es sind auch die Lobkowiczer Vorfahren wie Jiri Popel am Ende des 16. Jahrhunderts. Über Jahrhunderte hinweg habe die Familie Lobkowicz versucht, nicht nur Beispiel im historischen Sinn, sondern ihren wahren Zweck nämlich als eine Veranschaulichung des allgemeinen
Die Fürstenfamilien waren
nicht nur Winzer, sondern Fortschritts der Gesellschaft im Wissen, Künsten, der Veränderungen der Sitten und Strebens der christlichen Menschheit abzugeben. Die Fürstenfamilien waren nicht nur Winzer, sondern vor allem Geschäftsleute, Politiker, Minister, Botschafter, Generäle, Bischöfe und Kunstmäzene. "Sie dienten Staat, Kirche, den Künsten und vor allem der Nation und Europa".
Jiris Vater erbte bereits mit zehn Jahren Schloss Melnik. Seit 1992 ist Jiri mit seiner Ehefrau Bettina mit der Leitung des Hauses vertraut. Prinz Jiri dankte seiner Prinzessin Bettina, die es in den letzten zehn Jahren dazu gebracht habe, wie Melnik heute aussieht. Großer Applaus hallte durch den Innenhof des Schlosses.
"Wir sehen ungeborenen Zeitaltern in Europa und der Welt und Visionen einer besseren tschechischen Geschichte entgegen, deren Verwirklichung in den Händen des allmächtigen Gottes liegt", sagte der Prinz. Der göttliche Segen werde aber vom Charakter und den Tugenden unserer Nachwelt selbst abhängen.
Prinz Jiri betonte weiter, "wenn wir und die Nachwelt sie religiöse Institution und Autorität zurückweisen, gegen Regeln der ewigen Gerechtigkeit verstoßen, mit Geboten der Moral
Gemeinsam mit Prinz Jiri von Lobkowicz schritt Kommandant Major Jürgen Völkl die Front der Störnsteiner Garde ab.                                                               Foto: Arnold
leichtfertig umgehen, die politische, demokratische Verfassung, welche uns zusammenhält, rücksichtslos zerstören, dann kann niemand voraussagen, wie schnell uns eine Katastrophe heimsuchen könnte, all unsere Herrlichkeit in profunder Finsternis begraben wurde. Diese Finsternis hat die Nation in den vergangenen Jahrhundert bereits zweimal durchleben müssen".

300 Gäste aus dem Adel

Am Zusammenfluss von Elbe und Moldau, wo hoch oben das Schloss Melnik liegt, waren über 300 adelige Gäste erschienen. Unter ihnen auch der frühere Außenminister Jiri Dienstbier. Aus der Oberpfalz reiste die "Historisch Hochfürstlich Lobkowitzische Grenadiergarde der Gefürsteten Grafschaft Sternstein" mit Bürgermeister Boris Damzog (Störnstein), Bürgermeister Josef Beimler (Waldthurn) und Pfarrer Josef Greil an. Auch eine 30-köpfige Gruppe der Neustädter Lobkowitz-Freunde reiste an die Flussmündung, ebenso stark vertreten war der Verein der Grenadier Garde mit Altbürgermeister Konrad Kraus an der Spitze.
Leider spielte das Wetter verrückt und so musste der größte Teil des umfangreichen Programms in die Gemäuer des neu
renovierten Schlosses verlegt werden. Mit lautem Trommelwirbel zog die Grenadier Garde auf und von oberen Gang des Schlosses wurde die Lobkowicz-Fahne entrollt. Prinzessin Bettina schritt die Ehrenformation der historischen Bürgerwehr aus Brünn ab. Prinz Jiri schritt die der Grenadier Garde ab. Mit den Vorderladern wurden mehrere Ehrensalven abgefeuert.
Die Grüße und Glückwünsche der Gemeinden Waldthurn und Störnstein überbrachte erster Bürgermeister Boris Damzog. Für den Landkreis und die Stadt Neustadt/WN sprach der Neustädter Kulturreferent Bernhard Knauer, der im Namen der Kulturfreunde Lobkowicz ein von Ernst Umann gemaltes Bild, mit der Ansicht auf das "Alte" und "Neue" in Neustadt/WN, vom Barockgarten aus gesehen, überreichte.
Pfarrer Josef Greil grüßte im Namen der christlichen Gemeinden. Ein übergroß dimensioniertes Weinglas, mit Wappen und Inschrift der Garde, überreichte Kommandant Major Jürgen Völkl. Verschiedenen Aufführungen von Volkstanzgruppen, klassisches Konzert im roten Salon, boten für die Gäste reichlich Abwechslung. Für die geladenen Gäste hatte das Fürstenpaar alle Räume zur Besichtigung freigegeben.
Gemälde übergeben. Von links Franz Gleixner, Prinz Jiri, Bernhard Knauer, Bürgermeister Josef Beimler (Waldthurn), Ludwig Bayer, Reinhold Zapf und Bürgermeister Boris Damzog (Störnstein).                                    Foto: Arnold