Die Wiederaufstellung der Historisch Hochfürstlich Lobkowitzischen Grenadier Garde der Gefürsteten Grafschaft Sternstein e.V.

Die heutige Formation wurde 1989 neu aufgestellt und repräsentiert den Stand der Jahre 1790 bis 1795. Beheimatet ist die Historisch Hochfürstlich Lobkowitzische Grenadier Garde der Gefürsteten Grafschaft Sternstein e.V. in der heutigen Gemeinde Störnstein im Regierungsbezirk Oberpfalz des Freistaates Bayern.

Die Grenadier Garde soll heute, nach einer Zeit von fast zweihundert Jahren, eine Tradition der ehemaligen Gefürsteten Grafschaft fortführen. Auch wenn sie nicht als eine Art "Bürgerwehr" nur zum Ort selber gehörig war, so war es doch ein regulärer Truppenteil, in dem viele Störnsteiner dienten und die den Namen ihres Heimatortes auf diese Weise in die Welt trugen. Ins Feld zu ziehen blieb den damaligen Soldaten glücklicherweise oft erspart, denn der Fürst zahlte lieber, als daß er seine Untertanen der Grafschaft in die Welt schickte.

Probleme bei der Wiederaufstellung seitens der Bevölkerung gab es nicht, denn das Militär gehört aufgrund der Grenzlage dieser Region seit vielen Jahrhunderten zur täglichen Normalität, die den Menschen dieser kargen Gegend über diese lange Zeit auch mit prägte.

Nach beinahe zweihundert Jahren ist es natürlich schwierig noch originale Uniformröcke aufzufinden. Vor allem, wenn es sich um solche "Exoten" einer kleinen Grafschaft wie Störnstein handelt und die Röcke zu dieser Zeit meist das Schicksal der privaten Abnutzung nach dem Ausserdienststellen teilten. Nicht gerade förderlich war auch die Tatsache, daß die Stammlande und der Hauptsitz derer zu Lobkowitz-Popel in der heutigenTschechei liegen.

Die Wiederaufstellung der Grenadier Garde erfolgte anläßlich der Planungen zum Störnsteiner Heimatfest 1991 im Jahre 1989. Auf Anregung von Herrn Landgerichtspräsidenten a.D., Dr. Adolf W. Schuster, der bei seinen Nachforschungen für die Chronik "850 Jahre Störnstein" auf Unterlagen der Grenadier Garde im Staatsarchiv Amberg gestoßen war, wurde der Gedanke der Neuaufstellung in die Planungen mit einbezogen. Nachdem man aber in der Folgezeit feststellte, daß der zeitliche Aufwand den Rahmen des Festausschusses des Heimatfestes bei weitem übersteigen würde, wurde ein eigener Arbeitskreis unter der Leitung von Jürgen Völkl und Rainer Radies gebildet. Sie blieben der Garde treu und bekleiden heute die Stellung des Kommandeurs und des Stellvertreters.

Dank gilt den Herren Bürgermeister Konrad Kraus und zweiten Bürgermeister Felix Völkl. Sie konnten durch die Gemeindebürgerin, Frau Helenka Götz, Verbindung zu Herrn Dr. Mudra und dem Prager Kriegs- und Waffenmuseum herstellen. Herr Dr. Mudra stellte Lithographien der Uniform und Fotos von Teilen der Ausrüstung (Tasche, Trommel und Säbel) zur Verfügung. Eigene Nachforschungen bestätigten, daß die Uniformen aus der Zeit vor der Auflösung von 1806 stammen könnten und starke Ähnlichkeiten mit dem österreichischen Chevaux-lègers Regiment 2222 besaßen, das Fürst von Lobkowitz 1775 als Kommandeur übernahm. Parallelen konnte man deshalb ziehen, weil die Befehlshaber zu dieser Zeit noch mit der Ausrüstung und Bekleidung ihrer Regimenter selbst betraut waren. Man war auf diesen Weg angewiesen, da sich in dem Urkundenmaterial in Amberg zwar Hinweise auf Bilder gefunden hatten, die selbigen aber leider nicht aufzufinden waren.

Dank Herrn Bürgermeister Kraus konnten Teile der Finanzierung durch die von ihm gesammelten Spenden gedeckt werden. Festleiter und zweiter Bürgermeister, Herr Felix Völkl, stand der Grenadier Garde jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Man war stets darum bemüht, die eigene in den Kinderschuhen steckende Nachforschung voranzutreiben.

Trotz des relativ hohen Spendenaufkommens war der Eigenfinanzierungsanteil sehr hoch. Glücklicherweise konnte die Grenadier Garde innerhalb der kurzen Anlaufzeit von nur einem Jahr, pünktlich zum Heimatfest ihren ersten Schuß abgeben und mit diesem gleichzeitig die Festwoche eröffnen.

Die Grenadier Garde heute

Die Historische Grenadier Garde erfüllt heute die Aufgaben, die ihr nach Maßgabe der historischen Tatsachen und den heutigen Begebenheiten möglich sind. So konnte sie mit ihrem ersten Auftritt das Heimatfest 1991 in Störnstein eröffnen. Sie begleitete in der Festwoche viele Veranstaltungen und repräsentierte die Geschichte des Ortes. Den Gästen, die aus nah und fern angereist waren, konnte so ein greifbarer Eindruck eines Teilabschnittes der Historie Störnsteins vermittelt werden.

Man beteiligte sich im Laufe der letzten Jahre immer wieder an historischen Umzügen und Festen, deren Gestaltung als passend erschien. Aufgrund der Mitgliedschaft im Landesverband der bayerischen Bürger- und Landwehren vertritt die Garde den Ort Störnstein landesweit und teilweise sogar darüber hinaus.

Regionale Veranstaltungen, wie das Jubiläum des Marktes Parkstein, das Heimatfest des Marktes Waldthurn und das Landestreffen der Bürger- und Landwehren in Neustadt an der Waldnaab zeigt uns, daß die Akzeptanz in der Bevölkerung sehr groß ist.

Durch die Verbundenheit zum Orte steht man der Gemeinde jederzeit für repräsentative Aufgaben zur Verfügung, soweit sie nicht historischen Tatsachen oder dem guten Geschmack entgegensprechen.