******** Herzlich willkommen bei der Lobkowitzischen Grenadier Garde Sternstein **********.
 

Kurzer Abriß über den Begriff der Grenadiere in der Geschichte

Die Grenadiere sind eine Erfindung des 17. Jahrhunderts. Sie waren Spezialtruppen, die sich auf das Werfen der gerade erfundenen Handgranaten spezialisiert hatten. Die Handgranaten der damaligen Zeit bestanden aus einem Splitterkörper (Metall, Glas oder Ton), der mit Pulver gefüllt war und eine nicht sicher "temperierte" Zündröhre besaß. Dies machte diese Waffe zu einer gefährlichen Angelegenheit. Daher wurden für diese Truppenteile fast ausschließlich altgediente und erprobte Soldaten rekrutiert.

Mit der Zeit kam das Granatenwerfen aus dem praktischen Gebrauch und die Grenadiere, als Elite der Infanterie, erhielten eine neue Aufgabe. Ihr neuer Einsatzbereich lag erneut in der vordersten Linie. Friedrich Wilhelm I. von Preußen (der Soldatenkönig) erkannte, daß ein langes Vorderladergewehr weiter und sicherer schießt als ein kurzes. Um dieses sicher und schnell handhaben zu können benötigte man große Männer. Man denke an dieser Stelle nur an seine "Langen Kerls", um die ihn ganz Europa beneidete. Die Grenadiereinheiten wurden zu speziellen Grenadierregimentern umgruppiert und setzte sie an den taktisch brenzligsten Stellen ein, bei denen sie aufgrund ihrer hohen Salvengeschwindigkeiten einen zahlenmäßig überlegenen Gegner erfolgreich binden konnten. Der Mangel an genügend körperlich geeigneten Leuten führte zu unüberbrückbaren Schwierigkeiten und so kam es zur Aufstellung der körperlich kleineren Füsilierregimenter. Diese waren durch kürzere Gewehre und niedere Hauben gekennzeichnet. Im Laufe der Zeit wurden die Grenadiere durch die technische Entwicklung ihrer Vorrangstellung beraubt.

Die Grenadiere waren zu ihrer Zeit gefürchtete und geachtete Eliteinfanterietruppen, die durch ihren Drill, die hohe Feuergeschwindigkeit (bis zu fünf Schuß in der Minute), und ihre Erscheinung zu bestechen wußten. Dies ist ein Grund dafür, daß es bis heute in den Monarchien Europas noch militärische Tradition ist, daß die Leibgarden zu Fuß sehr oft von den Grenadierregimentern gebildet werden.

 

Die Geschichte der Hochfürstlich Lobkowitzischen Grenadier Garde und der Gefürsteten Grafschaft Sternstein

Von Störnstein ziehen sie allhier

die Lobkowitzer Grenadier

 

Historische Belege der Garde

Durch die bis in die jüngste Zeit bestehenden politischen Verhältnisse in der Tschechoslowakei erschwerte sich das Quellenstudium in erheblichen Maße und haben sich bis zum heutigen Tage aufgrund der teilweise fahrlässigen Handhabung der Aktenbestände kaum geändert. Als großer Glücksfall stellte sich die Verwaltungsvorgänge der Eingliederung der Gefürsteten Grafschaft heraus. Glück deshalb, weil die Aktenbestände der Lobkowitzer Behörden in Neustadt zu großen Teilen ins damalige Kreis- und heutige Staatsarchiv Amberg verbracht wurden. Somit ist in Amberg ein beträchtlicher Aktenbestand der Gefürsteten Grafschaft Sternstein über die Zeiten gerettet worden. Nach den vorhandenen Unterlagen bestand die Grenadier Garde in den Jahren 1749 bis zur Eingliederung der Grafschaft nach Bayern im Jahre 1806. Die Wurzeln ihrer Entstehung reichen bis weit ins Mittelalter zurück, man denke hierbei nur an die bereits oben genannte Burghut. Die Garde war ein regulärer Truppenteil des Böhmischen Adelsgeschlechts der Lobkowitzer und diente zur Landesdefension ihrer Besitzungen im Reichskreis Bayern, der reichsunmittelbaren Gefürsteten Grafschaft Sternstein und der Herrschaften Waldthurn und Schönsee.

Nachdem die Herren von Heideck, die die Herrschaft Neustadt - Störnstein innehatten, sich am Schmalkaldner Bund beteiligt hatten, wurden sie ihrer Besitzungen enthoben. Durch diesen Umstand begünstigt, erhielt am 4. Oktober 1562 Ladislaus II. von Lobkowitz von Kaiser Ferdinand den Lehensbrief für 10 Jahre für das Störnsteiner und Neustädter Gebiet. Bedingung war, daß sie die Schuldlast, die auf ihr lag, beglichen. Am 25. September im Jahre 1575 verlieh Kaiser Maximilian das Gebiet als eigene erbliche Herrschaft an das Geschlecht der Lobkowitzer. Von Kaiser Ferdinand II. erhielt Zdenko von Lobkowitz 1624 den Fürstentitel für sich und seine Erben zugesprochen. Wie ein Kaiser ohne Land war dieser Titel ihm wenig nütze, da er keine Besitzungen im Reichsgebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation besaß. Sie werden nun sagen, was war mit er Herrschaft Neustadt - Sternstein? Dazu ist anzumerken, daß sie seit Kaiser Karl IV. (1355) böhmisches Kronlehen war und nicht zum Deutschen Reich gehörte, sondern dem Königreich Böhmen angegliedert war.

Die deutschen Kaiser befanden sich zu diesem Zeitpunkt, dem Jahre 1624, bereits seit fast einem Jahrhundert in einer politischen Zwickmühle. Zum einen wehrte sich die katholische Habsburgmonarchie gegen den protestantischen Glauben, der oft gepaart mit seperatistischen Gedanken der Adligen hochbrisanten politischen Zündstoff darstellte. Zum anderen befand sich die katholische Seite seit sechs Jahren mit der Protestantischen im Kriegszustand, der noch vierundzwanzig Jahre währen sollte. Eine legale Möglichkeit des Kaisers an Geldmittel für seine Kriegsunternehmungen zu bekommen, war die Erhebung der sogenannten "Römermonate". Sie war eine Kriegssteuer, die von den Ständen, unter anderen auf dem Reichstag, genehmigt werden mußte. Der Reichstag setzte sich aber zu einem nicht unerheblichen Teil aus protestantischen Adligen zusammen, die ihm aus verständlichen Gründen die Finanzierungsquelle zu beschneiden versuchten.

Dem Kaiser lag es nun natürlich nahe am Herzen, seine Partei zu stärken und gerade im Fürstenkollegium das Gewicht zu seinen Gunsten zu verschieben. Daran hinderte ihn allerdings ein Reichsgesetz, das die Teilung und im gesamten die Vergrößerung der Zahl der Sitze beschnitt. Ein Gesetz im übrigen, das vom Kaiser selbst angestrebt worden war, um eine Stärkung der protestantischen Partei zu verhindern.

Zwar hatten die Lobkowitzer jetzt den Fürstentitel und Landbesitz, der sich zur Reichszugehörigkeit eignete, aber sie hatten mit Sternstein - Neustadt keinen Sitz und Stimme im Reichstag. Dies sollte sich 1641 ändern, wie man sehr schön in der Chronik der Stadt Neustadt von Herrn Ascherl nachlesen kann. Am 29. Juli 1641 stellte man im Kronrat in Wien fest, daß der Kaiser durch die erbliche Überlassung der Herrschaft in Bezug auf das Königreich Böhmen und die Monarchie Habsburg alle Rechte an ihr aufgegeben hatte. Um den Landstrich landesherrlich und territorial nicht völlig im rechtsfreien Raum stehen zu lassen, empfahl man, die Herrschaft in den Reichskreis Bayern aufzunehmen. Dem wurde auf dem Kreistag nach dreimaliger Beratung auch zugestimmt und der große Tag war gekommen. Die Herrschaft Neustadt - Sternstein stieg zur reichsunmittelbaren "Gefürsteten Grafschaft Sternstein" auf.

Die Situation war eindeutig. Neustadt wurde Residenzstadt, Störnstein gab seinen Namen, und das kleine Fürstentum war reichsunmittelbar. Es unterstand somit nur noch dem Fürsten und dem Kaiser. Man war ein eigenes kleines Land geworden. Die Titulierung war "Gefürstete Grafschaft Sternstein. So wie es Herr Ascherl in seiner Chronik an anderer Stelle bildlich und wörtlich darlegte, Herr Dr. A. W. Schuster es in seiner Chronik über Störnstein nachwies und es die Urkunden der Grafschaft beweisen, so erdachte sich Fürst Wenzel Eusebius von Lobkowitz bereits diesen Namen, als er bei Kaiser Ferdinand III. in einem Brief die Erhebung erbat. Die Lobkowitzer regierten die Grafschaft bis zur Eingliederung ins Königreich Bayern im Jahre 1806. In dieser Zeit wurden von den Fürsten viele Maßnahmen stark gefördert oder vollkommen aus eigener Tasche finanziert. Beispiele sind der Bau des neuen Schloßes und der Neubau der Stadtpfarrkirche St. Georg in Neustadt, der Neubau der Wallfahrtskirchen St. Quirin und St. Felix, Förderung des Handels und der Künste, Einführung der Dreifelderwirtschaft, Unterstützung der Kirchen und Spitäler in Form von nicht unerheblichen Spenden und die Förderung des Wallfahrtswesens in St. Quirin, St. Felix, Mühlberg, Hafendeck und Fahrenberg. Die große Schar Gläubiger brachte den Bürgern in der Grafschaft gutes Geld ein, da man sich, wie heute beim Tourismus, durch ein kleines Dienstleistungs- und "Souveniergewerbe" auf sie eingestellt hatte. Eine gezielte Wirtschaftsförderung war beispielsweise daran erkennbar, daß in der zugehörigen Reichsherrschaft Waldthurn den Manufakturen das benötigte Holz sehr preisgünstig verkauft wurde, was wiederum die Bayrisch - Parksteiner Spione ob der Verschwendung erzürnte. Man förderte die Erz- und Edelmetallgewinnung und vieles andere mehr.

Für die Historie der Grenadier Garde ist das Jahr 1562 somit die magische Grenze. Militärisch verblieb die Herrschaft, die altbayerisches Gebiet, aber böhmisches Lehen gewesen war, vorläufig bei der böhmischen Krone. Erst im Jahre 1641 auf dem Kreistag zu Landshut wurden die militärischen Kontingente der Grafschaft dem Reichskreis Bayern angegliedert, was zur Folge hatte, daß man zu Heeresleistungen verpflichtet war. In der Kirchenchronik von Neustadt beschreiben ihre Verfasser Piehler/Ascherl im Kapitel Neustädter Kirchenvermögen und Kirchenpfleger, daß die Kirche am Fronleichnamstag im Jahr 1685 2 fl (Gulden) 53 Kr (Kreutzer) an den Juden Nathan und 1 fl 28 Kr an Michl Mendl Jud für Schwarzpulver gezahlt hat. Des weiteren wurden 4 fl 30 Kr für Bier (2Eimer) und Brot verausgabt. Bestimmt war dies für die Musketiere. Dies beweist zum einen, daß es früher gang und gäbe war, zu Fronleichnam zu schießen, zum anderen, daß es vor den Grenadieren bereits ein kleines Militärkontingent gegeben hat. Da sie explizit mit dem Begriff Musketiere bezeichnet wurde, ist anzunehmen, daß es sich nicht um eine Art der bürgerlichen Stadtwache gehandelt hat.

Ascherl verzeichnet für die Gründung der Grenadier Garde den urkundlichen Beweis im Jahr 1749. Er beschreibt, daß der Fürst sich eine Grenadier Garde mit einem Hauptmann und 29 Grenadieren hielt. Im weiteren hat Fürst Ferdinand Philipp von Lobkowitz am 12. Januar 1782 eine dauernde Grenadierwache mit einem Feldwebel und 25 Soldaten in der Gefürsteten Grafschaft Sternstein aufgestellt.

Einen weiteren Hinweis gibt uns die Friedhofkirche St. Dreifaltigkeit in Neustadt. In ihr liegt der Fürstliche Grenadierhauptmann Michael Heinzelmayer begraben, der im Jahre 1770 im ungefähren Alter von 94 Jahren verstarb. Da er bei der Wiederaufstellung somit schon 73 Jahre alt gewesen war, und wenn man sein Eintrittsalter mit 30 bis 35 Jahren ansetzt, was damals als bestes Mannesalter galt, so kann man von einem Aufstellungszeitraum zwischen 1705 bis 1710 ausgehen.

Auch Herr Dr. Schuster beschreibt die Garde sehr ausführlich. In seiner Chronik über Störnstein beschreibt er viele Verwaltungsvorgänge, die zwischen dem Oberamtmann in Neustadt und dem Fürsten in Prag beziehungsweise Wien betreffs der Grenadiere und ihrer Ausrüstung hin und her liefen. Neben den Ranchierrollen, die von 1749 bis 1806 fast vollständig vorhanden sind, existiert noch ein reichlicher Schriftwechsel. So sind noch Unterlagen über die Uniformen, Exerzier- und Wachpläne, Einsatz- und Marschbefehle nachzuweisen. Des weiteren sind Manöverordnungen, Rangierrollen, Eidesformel, Einsätze (auch in dem zur Herrschaft gehörigen Orte Waldthurn) und vieles mehr vorhanden. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Lücke der Rangierrollen in den Jahren 1776 bis 1786. Glücklicherweise gibt aber die Rangierrolle des Jahres 1803 darüber Aufschluß, wie lange einzelne Grenadiere bereits dienten. Aufgrund des hohen Dienstalters mancher Soldaten kann auch dieser Zeitraum abgedeckt werden.

Über die Auflösung der Garde 1806 infolge der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sind ausführliche Quellen vorhanden. So schickte der Oberamtmann v. Dürrbeck eine genaue Liste (vom 16. September 1806) des Inventars nach München. Ebenso ist eine Ranchierrolle vom 20. Juni 1806 vorhanden, in der Namen und Daten der Grenadiere verzeichnet sind. Die Unterlagen befinden sich heute im geheimen Kriegsarchiv in München.

Diese weisen aus, daß die Waffen, da Eigentum des Fürsten, in dessen Besitz verblieben, die abgetragenen Uniformen aber in das Eigentum der Soldaten übergingen. Selbst der Verbleib der Mannschaften wurde peinlichst aufgezeichnet. Je nach Musterungsgrad wurden sie in das 10. Linien Infanterieregiment Junker in Amberg eingereiht, zum Garnisonsregiment Station Rothenberg versetzt oder in Pension geschickt.